Mit Puls am Puls ...

Alexander Hauers Gedanken zur Frühjahrssaison 2027

Portraitfoto von Alexander Hauer
© Atelier Schulte

Das Leben ist schön. Ein Gedanke, den wir uns derzeit vielleicht zu selten gönnen oder gönnen können. Doch wie sagt der Kabarettist Christoph Sieber so treffend? Das Leben ist viel zu ernst, um nicht darüber zu lachen! 

Mit einem Lachen wollen wir der Schönheit, der Leichtigkeit und der Zuversicht wieder auf die Spur kommen. Was lässt uns mit Freude aufs Leben blicken? Was bereitet uns Herzklopfen? Lassen Sie uns gemeinsam in uns hineinhorchen, unseren Herzschlag spüren, unsere Haltung prüfen – und diese auch einem Check unterziehen. Wo läuft der Puls der Gegenwart aus dem Ruder? Wann fühlt er sich flach an?

Unser neues Programm möchte Impulse setzen, taktvoll einen Takt vorgeben, manchmal ein wenig auf die Pauke hauen. Vielleicht lassen uns manche Vorstellungen etwas näher zusammenrücken. Möglicherweise treffen wir auf herrlich unbequeme Anregungen. Und vielleicht entdecken wir gemeinsam in der Bühne im Hof – mit offenem Herzen und wachem Verstand – motivierende Unruhe statt Stillstand. 

Die leisen und lauten Töne, die satirischen Gedankenspiele und anfeuernden Rhythmen, die kritischen Fragen und berührenden Klänge … die Vielfalt des Gebotenen spiegelt all das wider, was uns bewegt. So verstehen wir dieses Programm als eine pulsierende Liebeserklärung an das Leben. 

Seien Sie dabei – wir würden uns freuen!

Alexander Hauer & das Team der Bühne im Hof

© MF
Sollte man live gesehen haben...

Ausblick in das Frühjahr 2027

Unser neues Programm möchte Impulse setzen, taktvoll einen Takt vorgeben, manchmal ein wenig auf die Pauke hauen.
Alexander Hauer, Künstlerischer Leiter
Alexander Hauer

Im Interview zur Frühjahrssaison 2027

Alexander, hast du Herzklopfen, wenn du an das Frühjahrsprogramm 2027 denkst? 
Auch wenn ich meinen Beruf nun schon längere Zeit ausüben darf: ein Nervenkitzel, ein Kribbeln, ist bei jedem neuen Programm dabei – sind die so vielfältigen Abende doch regelmäßig neue Begegnungen. Stefan Leonhardsberger geht’s da bestimmt ähnlich, und das wird bei ihm auch kein Aprilscherz sein, wie der Veranstaltungstag vermuten ließe: Sein neues Programm „Herzklopfen“ ist quasi ein Rendezvous … auf unser Date mit ihm am 01. April freuen wir uns deshalb ganz besonders. 

Stellst du dein Programm eigentlich zusammen, wie es dir gefällt? 
Es ist ein großes Privileg, dass ich aussuchen darf, was mir gefällt und was ich für wichtig finde, für sehenswert, berührend und bereichernd. Was ich stets versichere: Es findet nichts auf der Bühne statt, hinter dem ich nicht stehen kann. Und man hofft dann immer, dass das Publikum es auch gut findet. Beim Jubilar Andreas Vitásek mache ich mir da beispielsweise gar keine Sorgen: Er spaziert zu seinem 70er durch seine Erfolgsprogramme, ganz so wie es ihm auch titelgebend für sein neues Programm gefällt … das gefällt wiederum mir bestens, wenn einer der Besten gerne zu uns in die beste Bühne zurückkehrt.

Wann begibst du dich auch mal auf dünnes Eis? 
Wir müssen immer wieder etwas wagen und prüfen, wie dick das Eis denn nun ist, ob es trägt. Manchmal ist das der einzige Weg, um Neues zu entdecken. Die Bühne im Hof ist ein kleines Expeditionsunternehmen des Denkens und der gesellschaftspolitisch relevanten Fragestellungen. Da passt es gut, dass wir mit unserer Hofkünstlerin (und Österreichischen Kabarettpreisträgerin 2025) Antonia Stabinger eine großartige Partnerin mit an Bord haben, die ganz bewusst neue Wege bestreitet. So ist sie der erste female Host einer Tonight Show und spricht im Frühjahr 2027 u. a. mit ZiB-Anchor Stefan Lenglinger. Ich freue mich außerdem herauszufinden, wie dick das Eis im Spätwinter, konkret am 20. Februar, noch ist, wenn sie sich mit ihrem neuen Programm auf „Dünnes Eis“ begibt. Mit der Mob-Parole „Ich bin das Volk“ begibt man sich beim Bundespräsidenten bekanntermaßen auf ausgesprochen dünnes Eis. Seiner Severenität Severin Groebner (Österreichischer Kabarettpreisträger 2026) sei es aber natürlich ausnahmsweise gestattet. 

Welche neuen Saiten schlägt das Frühjahrsprogramm auf? 
Wir haben das Privileg, dass viele Niederösterreich-Premieren hier stattfinden, wir also die neuen Programme der Kabarettist:innen und Musiker:innen erstmals in der Bühne im Hof präsentieren dürfen. Das zeigt, dass sich z. B. Birgit Denk, Malarina* und Tricky Niki bei uns wirklich wohl fühlen. Und dass „Astronaut“ Felix Kramer sein neues musikalisches Projekt in der Bühne vorstellt – er ist erstmals solo zu Gast – freut mich ganz besonders. „Solo“ ist auch Dr.Bohl, nach wie vor, trotz Opernball und Dancing Stars. So gar nicht solo ist hingegen Katharina Straßer, wenn sie gemeinsam mit ihrer Band musikalisch zwischen Diddl-Maus und Baywatch wandelt.

Dein Rezept für die Wahnwitzigkeiten der Gegenwart? 
… mir Anregungen von klugen Menschen zu holen und ihren pointierten Gedankenspielen zu lauschen. Humor ist auch ein wesentliches Rezept – und da haben für mich im Frühjahrsprogramm u. a. Florian Scheuba und Christoph Sieber die richtige Würze! Christoph, der zum ersten Mal hier in St. Pölten zu Gast ist, ist für mich einer der wichtigsten Aufdecker der Wahnwitzigkeiten im deutschen Sprachraum. Scharf und dennoch geschmackvoll, würzig – und immer für neue Rezepte gut. 

Alexander, wo wagst du im Frühjahrsprogramm einen Perspektivenwechsel? 
Wenn wir Comedy und Artistik kombinieren – wie bei Ursus & Nadeschkin und Starbugs Comedy – dann tut sich immer ein neues Staunen auf. Ähnliches gilt für das Infotainment – also das Genre, das Information mit Unterhaltung kombiniert … denn, wir dürfen allesamt klüger werden. Im Frühjahr z. B. mit Barbara Blaha. Wichtig ist stets: Man muss dabei nicht einer Meinung sein! Aber was gibt es Schöneres im Gehirnjogging, als seine eigenen Standpunkte mit bestem Entertainment zu hinterfragen?! Ehrlicherweise komme ich dabei gedanklich oft ganz schön ins Schwitzen.

    Was gibt’s denn ab Jänner kulinarisch zu entdecken? 
    Ich denke, unsere Programmpunkte sind allesamt Leckerbissen – sonst würde ich sie ja nicht kredenzen wollen. Manchmal verbirgt sich die Köstlichkeit schon im Titel – wie bei Michael Steigers „Grammelpogatscherl-Eskalation“. Auch bei Manuel Rubey und Simon Schwarz weiß man gleich, worum es geht – die Liebe! Auch die soll köstlich schmecken. Manchmal muss man aber auch einen zweiten Blick riskieren wie bei Caroline Athanasiadis, die uns unter dem tänzerischen Titel „Alles Sirtaki!“ das Beste von Schinkenfleckerln bis Tsatsiki serviert. 

    Es gibt auch „Lauter Lieder“, „Super Texte“ & „Latest Hits“ im Programm, richtig? 
    Es ist einfach ein wirkliches Vergnügen, auf die größten Persönlichkeiten zu treffen, die das Metier der Kleinkunst in all ihrer wunderbaren Vielfalt zu bieten hat. Ob ganz neue Lieder oder doch die alten Hadern vom (Josef) Hader, ob hier verankert oder aus anderen Kulturkreisen – das Programm spiegelt zwei Wörter wider: Respekt und Charme. In diesem Sinn bekommt das Wort „lauter“ gleich mehrere Bedeutungen: Wir sind nicht leise und gerade deshalb respektvoll! Wir sind pur, voller Witz und Leidenschaft, egal ob mit Wiener Blond oder dem Blonden Engel, ob mit Erika Pluhar oder Tobias Poetzelsberger, ob mit Tini Kainrath oder Austrofred. 

    Das Familienprogramm liest sich wie ein Flunder-Pinguin-Mischmatsch. Was ist da los? 
    Das Programm für junges Publikum ist wie ein farbenfrohes Fabelwesen, ein Flunder- Pinguin-Mischmatsch eben: Es wird fröhlich, bunt, anregend und faszinierend. Gabrielle Erd, meine Kollegin aus der Kulturvermittlung, ist immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Produktionen für die ganz Kleinen ebenso wie für Junggebliebene und Schüler:innen. Von einer clownesken Theaterperformance bis zu einem atmosphärischen Entdecken für die Allerkleinsten ist da vieles dabei. Ganz besonders schön finde ich außerdem, dass wir durch die Musik unseren jungen Gästen die Weite der Welt begreifbar machen können: In Zusammenarbeit mit der Jeunesse sind nationale Musikerinnen wir Anna Mabo genauso auf der Bühne zu erleben wie das Ardemus Quartet aus den Niederlanden. Gemeinsam mit dem Landestheater Niederösterreich erwecken wir zudem Christine Nöstlingers „Gruselwusel“ zum Leben. 

    Du kooperierst nun bereits das vierte Mal mit der USTP – was hat es damit auf sich? 
    Das Digitale mit seinen immer wieder neuen Medienformen umgibt uns ganz alltäglich und wird zumeist ganz pragmatisch gesehen: Also, was kann unseren Arbeitsalltag erleichtern? Wo können wir mit KI effizienter werden? Für viele junge Menschen ist die digitale Welt vor allem auch eine kreative Ausdrucksmöglichkeit, für sie sind die neuen technischen Möglichkeiten wie früher Pinsel, Bleistift und Papier. So entstehen ganz neue Formen von Kunst. Und hier möchte ich, dass wir am Puls der Zeit bleiben. Drum wird die Bühne im Hof an einem Wochenende zu einem Open House mit Ausstellungsparcours, in dem uns junge Künstler:innen von der USTP University of Applied Sciences St. Pölten mit ihren internationalen Netzwerken ihre Arbeiten präsentieren. 

    Zum Abschluss: Was wird das Publikum am neuen Programm besonders … lieben? In der Liebe muss man sich entscheiden, zum Glück gilt das aber nicht für unser Frühjahrsprogramm. Romantik (die uns Romantic Slivo von 5/8erl in Ehr‘n serviert) und verträumte Dankbarkeit – wie rund um den Valentinstag mit Alexander Goebel – stehen genauso zur Dispostion wie eben das schwarz-rubey‘sche Durchdeklinieren des wichtigsten Lebenselixiers, der Liebe. Hier riskiert man keinerlei Unstimmigkeiten, wenn man auf gleich mehrere Abende sein Auge wirft und wild mit unserem Programm flirtet, wie es uns musikalisch etwa Simone Kopmajer & Viktor Gernot vorzeigen, wenn sie Gene Kelly & Judy Garland in die Gegenwart holen. 

    * Malarina musste kurzfristig auf den Herbst verschoben werden

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