Scharf gedacht ...

Alexander Hauer im Interview zur Herbstsaison 2026

Portraitfoto von Alexander Hauer
© Atelier Schulte

 

Schräger Humor, scharfe Gedanken, spitze Pointen, künstlerische Verrücktheiten ... 
all das macht Spaß und justiert uns in unserem Denken neu. Schon die Erde, auf der wir leben, rast mit leichter Schräglage durch das Universum – eine folgenreiche Neigung, die uns wunderbare Abwechslung wie die Jahreszeiten beschert. Derzeit scheint es freilich, als wäre diese Achse ein wenig verrückt (ge-)worden. Wie Jura Soyfer schon in den 1930ern ahnte: Die Erde ist aus dem Sphärentakt geraten – von einem Ungeziefer namens Menschen befallen.

Vor kurzem haben wir gelesen, dass es erstmals gelang, die Bahn eines Himmelskörpers durch den Einschlag einer Sonde mit dem klingenden Namen „DART“ zu verändern. Auch das ist ziemlich schräg! Wenn es uns scharf denkenden Menschen gelingt, andere Himmelskörper abzulenken, dann könnten wir es vielleicht auch schaffen, unsere eigene Welt wieder ein wenig „richtiger“ zu justieren. 

Was könnten diese „DART“-Pfeile sein, die punktgenau treffen? Im Kleinen der Humor, das präzise Abfeuern von Pointen. Zugleich auch scharfe Gedanken, um aufrichtig und aufrecht zu bleiben. Doch scharf denken will geübt sein! Unser Programm bietet da ein paar Trainingseinheiten, um der Welt mit Humor und Ernsthaftigkeit, Feinsinn und Verrücktheiten zu begegnen. Vielleicht gelingt uns dann manches wie in der Musik, wo sich „schräge“ Töne in Harmonie auflösen. 

Die Welt könnte sich also an unserem Programm ein Beispiel nehmen. Diese – zugegeben – unscharfe Hoffnung sei uns einfach erlaubt. 

Alexander Hauer & das Team der Bühne im Hof

© BIH
Sollte man live gesehen haben...

Ausblick in den Herbst 2026

Unser Programm bietet da ein paar Trainingseinheiten, um der Welt mit Humor und Ernsthaftigkeit, Feinsinn und Verrücktheiten zu begegnen.
Alexander Hauer, Künstlerischer Leiter
Alexander Hauer

Im Interview zur Herbstsaison 2026

Alexander, wo musst du nachschärfen?
„Ich habe großen Spaß an Gedankenspielen. Am meisten Freude bereitet es mir, wenn die Gedanken anderer bei mir ein Gedankendomino auslösen. Ich glaube, dass genau das ein gutes Training ist, seine Überzeugungen und (oft viel zu festen) Standpunkte zu überdenken und nachzuschärfen. Und gerade das Kabarett in unserem Haus bietet da wunderbare Möglichkeiten: Mit Robert Palfrader, den Kernölamazonen oder Wolfgang Böck kommt man mehr ins scharfe Denken als ins Grübeln … und genau das ist unser Anliegen!“ 

Wann warst du das letzte Mal bei der Akupunktur? 
„Ich bin fast täglich dort … denn scharfer, spitzer Humor – wie er in der Bühne im Hof serviert wird – ist nichts anderes als Akupunktur für unser Hirn! Ich kann es also kaum erwarten, von Omar Sarsam, Malarina oder Alfred Dorfer gepikst zu werden.“ 

Was haben Darts, Kabarett und Zirkus gemeinsam? 
„Was ich an Darts liebe: Wenn die Pfeile punktgenau ins Schwarze treffen, ist das mit einem präzisen Abfeuern von Pointen im Kabarett vergleichbar. Ich selbst bin leider völlig unbegabt in diesem Sport, bin aber zu meiner eigenen Überraschung in die TV-Übertragungen der WM völlig hineingekippt. Faszinierend ist zudem das Zusammen spiel von mentaler Stärke und Körperlichkeit, das auch im Zirkus unumgänglich ist. Im Rahmen unseres mehrtätigen Zirkusfests wird das einmal mehr unter Beweis gestellt: Das Kurator:innen-Team Robin und Miriam Witt bringt faszinierenden Zirkus aus aller Welt zu uns – einfach zum Staunen!“ 

Online oder Offline?
„Ich bin ein erklärter Nachrichtenjunkie – und dadurch wahrscheinlich zu viel und zu lange online. Bei Begegnungen bin ich aber ganz old school und ziehe das direkte vis-à-vis eindeutig vor. Was mir fremd ist, sind die immer größer werdenden Parallel- gesellschaften in den gar nicht so sozialen Medien. Deshalb freue ich mich ganz besonders auf Stand-up-Comedian und Newcomerin Ina Jovanovic zu unserem Saisonauftakt – sie wird in ihrem Programm ‚Offline‘ mit der scheinbar perfekten Influencer-Welt auf räumen.“

Wann hast du dich das letzte Mal wie im falschen Film gefühlt? 
„Wenn man sich weigert aufeinander einzugehen, passiert das immer wieder mal. Eine Fernbedingung, mit der man einfach umschalten kann, wünscht sich da Thomas Mauer in seinem neuen Programm. Ich werde mich hier aber bestimmt nicht wie im falschen Film fühlen, obwohl das der Titel des Abends ist.“

Kentucky oder Erdberg? 
„Erdberg liegt dann doch etwas näher an St. Pölten, darum war ich wahrscheinlich auch schon öfter dort. [lacht]“

Haben diese beiden gegensätzlichen Orte etwas gemeinsam? 
„Gegenfrage: Haben Ernst Molden und Sigrid Horn etwas gemeinsam? Ja, denn wenn man die beiden im Herbst zusammen hören wird, erkennt man ihre Liebe zum Menschsein und zur Echtheit! Und genau das spiegelt nicht nur dieser Konzertabend wider … es ist der Anspruch an unser gesamtes Programm.“

    Was eint Jimmy Kimmel und Antonia Stabinger? 
    „Ganz klar: die Schärfe in der gesellschaftspolitischen Analyse! Und, Trommelwirbel … natürlich, dass auch Antonia Stabinger bald eine Late-Night-Show hosten wird. Ich freue mich sehr, dieses ganz neue Format mit unserer Hofkünstlerin in der Bühne im Hof präsentieren zu dürfen. Die Lust, mit pointiertem Stand-up auf Tagespolitik zu re agieren und exzellente Gesprächspartner:innen willkommen zu heißen, wird unser Publikum bestimmt begeistern. Auf der Gästeliste der ersten Ausgabe stehen unter anderem Ankathie Koi und Marlene Engelhorn.“ 

    Schon mal eine Nacht durchgelacht? 
    „Sagen wir’s mal so: Zu einem Bauchmuskelkater hat es schon einige Male gereicht … und das steht uns allen wohl auch bei der 1. St. Pöltner Lachnacht mit Heidelbeerhugo, Severin Groebner, Isabel Meili und Ole Lehmann ins Haus, wenn österreichischer, schweizerischer und deutscher Humor aufeinandertreffen. Sozusagen ein Betthupferl unter einem D-A-CH. [lacht] Auch wieder ein neues Format in der Bühne im Hof, auf das ich sehr stolz sein darf.“ 

    Wie klingt der Lungau? 
    „Ich glaube, dass in der Musik (geografische) Grenzen keine Rolle spielen – hört man sich in unserem Herbstprogramm um, erkennt man, dass etwa ALMA, Ina Regen, Andy Lee Lang, Avec, 5/8erl in Ehrn oder Christof Spörk auf so viele verschiedene Arten und Weisen grenzenlos genial sind. Und genau das trifft auch auf ein Kollektiv wie der Lungau Big Band zu, in dem sich ganz unterschiedliche Menschen zusammentun, um einen Einklang zu finden. Das wird überhaupt ein ganz außergewöhnlicher Abend, zumal auch die Gospel- und Jazzsängerin Chanda Rule mit von der Partie ist.“ 

    Wann hast du das letzte Mal einen „Liebesbrief“ geschrieben?
    „Ich liebe diesen Song von Thomas D … das ist wirklich eine ganz große Nummer. Bei mir ist’s tatsächlich schon zu lange her, obwohl ich auch immer wieder gerne seiten lange Briefe geschrieben habe … eine gute Erinnerung, um das wieder einmal zu tun – danke! [lacht] Ich freue mich sehr, dass dieser Superstar nun wieder tourt und auch bei uns einen Stopp einlegt!“ 

    Sind die letzten Tage der Menschheit gezählt? 
    „Man kann schon manchmal den Kopf schütteln, mich welchem Tempo und welcher Ignoranz wir an die Kante eines Abgrunds zulaufen. Aber ich bin kein Unkenrufer, und Erwin Steinhauer ist das auch nicht, wenngleich er mit Karl Kraus‘ bedrückend zeitlosem Meisterwerk ordentlich zum Nachdenken anregt.“ 

    Bist du ein Genussmensch? 
    „JA! Und zwar aus Leidenschaft … auch wenn es mir nicht immer gelingt, rechtzeitig aufzuhören. [lacht] Neben all dem, was wir mit unseren Sinnen erfahren und genießen dürfen, ist es eine erfüllende, genussreiche Freude, bei musikalischen, literarischen, philosophischen, kreativen Sternstunden dabei sein zu dürfen. Ein Freudenfest für alle Sinne sind auch unsere StarCast-Formate: das StarCast Dinner und der StarCast Brunch. Zu Köstlichkeiten der Hauben prämierten Gaststätte Figl unterhalten die Schick Sisters, Clemens Maria Schreiner, Annika Hakala und die Band der einsamen Herzen aufs Beste.“

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